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Zucht freilaichender Salmler und
Barben
Die Zucht freilaichender Salmler und Barben ist in
vielen Fällen nicht schwierig, wenn einige einfache Grundsätze befolgt
werden. Dabei kann man im Prinzip nach einem für alle Arten einheitlichen
Schema vorgehen, wobei die einzelnen Schritte bei jeder Art ein wenig anders
aussehen können.
Die Zucht beginnt mit dem Erwerb einer Gruppe
halbwüchsiger Tiere (wenn möglich 10 Tiere und mehr, weil wir es mit
Schwarmfischen zu tun haben). Diese Tiere werden über einige Wochen und
Monate abwechslungsreich gefüttert (d.h. z.B. mit Flocken, Granulat, roten
Mückenlarven), bis die Geschlechtsreife erreicht ist. Wann das soweit ist,
lässt sich vor einem Zuchtversuch nicht mit absoluter Sicherheit sagen.
Guter Hinweise auf die Geschlechts- und Laichreife sind der etwas fülligere
Bauch der Weibchen und das Balzverhalten der meistens schlankeren Männchen.
Die meisten Arten kann man bereits im Alter von einem Jahr vermehren.
Im folgenden Beispiel soll anhand der Zucht des
Brilliantsalmlers (Moenkhausia pittieri) gezeigt werden, wie man konkret
vorgehen kann. Die Vermehrung des Brilliantsalmlers im Aquarium ist mit sehr
einfachen Mitteln zu erreichen. Dieser Fisch eignet sich daher hervorragend,
um erste Erfahrungen mit der Zucht freilaichender Schwarmfische zu sammeln.
Brilliantsalmler setze ich in einem 70l-Becken bei 25
°C in abgestandenem Leitungswasser mit einer Härte von etwa 12 dGH zur Zucht
an. Die Leitfähigkeit des Zuchtwassers liegt bei etwa 500 µS/cm. Gefiltert
wird über einen kleinen Innenfilter.
Einige andere Arten benötigen weicheres Wasser, das
zusätzlich durch Filterung über Torf oder die Zugabe einiger Erlenzapfen mit
Huminstoffen, Gerbstoffen und organischen Säuren angereichert wird.
Zur Beckeneinrichtung gehören neben der Heizung ein
Laichrost aus Kunststoff-Fliegendraht, um die Eier vor dem Zugriff der
Eltern zu schützen, und ein Laichsubstrat, z. B. grüne Filterwatte. Vor
allem bei den kleineren Arten gelingt auch der Ansatz in einem schwimmenden
Laichkorb, der ebenfalls aus Kunstoff-Fliegendraht gebaut werden kann.
Bei einigen Arten ist eine Abdunklung des Beckens von
Vorteil, weil die Eier lichtempfindlich sind und die frisch geschlüpften
Jungfische sich in hellem Licht nicht wohl fühlen.
Zur Eindämmung der Entwicklung von Bakterien und
Pilzen, die den Laich angreifen, ist die gesamte Einrichtung möglichst
sauber und keimarm zu halten.
Im Falle der Brilliantsalmler wird eine Gruppe mit
z.B. 2 Männchen und 4 Weibchen abgesetzt. Vor dem Absetzen wird z.B. mit
gefrorenen schwarzen und roten Mückenlarven gefüttert, um den Laichansatz zu
fördern. Im Ablaichbecken wird nicht mehr gefüttert, um - wie oben schon
gesagt - möglichst wenig Nährboden für Keime zu bilden, die eine
Laichverpilzung fördern würden. Bereits nach kurzer Eingewöhnung ist das
Balzspiel der Männchen zu beobachten.
Auch im abgedunkelten Becken sind abgelegte Eier sind
auf dem Boden mit Hilfe einer Taschenlampe zu erkennen. Frischgeschlüpfte
Jungfische werden durch das plötzliche Licht aufgeschreckt und „kreiseln“ im
bodennahen Wasser. Weil sie dabei gut zu erkennen sind, ist auf diese Weise
eine erste Kontrolle des Erfolges möglich.
Werden in einem „Schwarmansatz“ mehrere Paare
abgesetzt, kann es sein, dass an die Paare an zwei oder drei Tagen
hintereinander laichen. In vielen Fällen erfolgt die Laichabgabe aber
bereits am Morgen nach dem Absetzen. Sobald die ersten Jungfische geschlüpft
sind, besteht die Gefahr, dass diese bei dem Versuch, sich an Scheiben und
andere Einrichtungsgegenstände zu heften, gefressen werden. Der Züchter muss
hier abwägen, ob er darauf setzt, dass noch viele weitere Eier gelegt
werden, oder ob er die bereits geschlüpften Jungfische schützt und die
Eltern heraus fängt.
Bei der Zucht des Brilliantsalmlers wurden pro Ansatz
etwa 200 - 400 Eier abgegeben. Die Eier kleben nicht am Laichsubstrat,
sondern fallen einfach zu Boden. Probleme mit der Verpilzung von Laich habe
ich bei dieser Art nicht beobachtet. Sollte dies der Fall sein, kann beim
nächsten Versuch nach dem Ablaichen eine Messerspitze Acriflavinhydrochlorid
(früher auch „Trypaflavin“ genannt) zugesetzt werden, um die Verpilzung
einzuschränken.
Die Jungfische des Brilliantslamlers schlüpfen nach
etwa 4-5 Tagen nach der Laichabgabe und hängen an einem klebrigen Faden z.B.
an der Aquarienscheibe. Sie beginnen 2-3 Tage nach dem Schlüpfen frei zu
schwimmen. Dabei ist der Übergang fließend, d. h. nach kurzen
Schwimmstrecken hängen sich die Larven wieder an ein Substrat. Die
Schwimmperioden werden mit der Zeit länger.
In dieser Phase wird zum ersten Mal gefüttert. Nach
Literaturangaben können beim Brilliantsalmler als erstes Futter bereits
Artemia-Nauplien gegeben werden. Ich habe in den ersten zwei Tagen
zusätzlich mit Filterschlamm gefüttert, dessen Flocken – wie unter dem
Mikroskop wirklich eindrucksvoll nachzuweisen ist – von einer großen Zahl
von Mikroorganismen besiedelt werden.
Eine andere Möglichkeit besteht in der Zugabe eigens
gezüchteter Infusorien (vor allem Pantoffeltierchen), deren Kultivierung
aber einige Sorgfalt und Erfahrung erfordert. Die Bereitstellung von
Futtertieren für die Jungfischaufzucht (z. B. Infusorien, Artemia-Nauplien,
Mikronematoden) wird in den GFA-Seminaren von Heinrich Wilmer sehr
anschaulich erklärt.
Fast bei allen Arten nehmen selbst augenscheinlich
sehr kleine Jungfische bereits nach 1-3 Tagen nach dem Freischwimmen ganz
frisch geschlüpfte Artemia-Nauplien an, die natürlich nur in sehr kleiner
Menge verabreicht werden dürfen, damit der Überschuss das Wasser nicht
verschmutzt. Dennoch ist in einer Übergangszeit eine ergänzende Fütterung
mit Mikroorganismen zu empfehlen, da nicht alle Jungfische gleich groß sind
und gleich schnell wachsen. Abgesehen vielleicht von den sehr produktiven
Arten lohnt es sich durchaus, auch die kleineren Tiere zu päppeln, weil
diese den Rückstand später wieder aufholen können.
Bei Kupfersalmlern (Hasemania nana) und roten Neons (Paracheirodon
axelrodi) muss man in jedem Fall mehrere Tage mit der Fütterung von
Mikroorganismen überbrücken, bevor die größten Jungfische erstmals auch
Artemia-Nauplien fressen.
Bei der Zucht des Brilliantsalmlers erkennt man an den
anspruchslosen Wasserbedingungen für die Zucht, dass Brilliantsalmler auch
im Haltungsbecken ablaichen werden. Um sicherzustellen, dass die für den
Zuchtansatz vorgesehenen Weibchen überhaupt eine größere Menge Laich tragen,
kann man sie einige Tage vor dem Ansatz von den Männchen trennen. Dies gilt
auch für einige andere Arten.
Wie oben schon angedeutet, kann man viele andere
freilaichende Salmler und Barben nach dem gleichen Prinzip züchten. In der
folgenden Tabelle sind die wesentlichen Daten für die Arten aufgeführt, die
ich bisher gezüchtet habe. Bei der Gestaltung der Zuchtbedingungen bin ich
vielfach Empfehlungen von Jürgen Radtke und Udo Buschhoff gefolgt.
Es ist nicht auszuschließen, dass die besprochenen
Arten unter anderen Bedingungen ebenfalls erfolgreich zu züchten sind.
Vernünftige Hinweise zur Zucht findet man auch in der Literatursammlung der
GFA sowie in dem Buch von Pinter (s. u.).
Wer wirklich Interesse hat, kommt allerdings um die
Diskussion mit anderen Züchtern nicht herum. Nur auf diesem Weg ist es
möglich herauszufinden, warum dies oder das nicht geklappt hat und was man
anders und besser machen könnte. Der Teufel steckt auch hier manchmal im
Detail. Gelegenheit zum Meinungsaustausch bieten die Veranstaltungen der
GFA, z.B. der Aquarianertreff an den Sonntagen oder die Pflegearbeit in der
Aquarienanlage an jedem Freitagabend. Wer das Hobby lernen will, muss zur
GFA.
Christoph Pasel
Literatur:
1.) H. Pinter, „Handbuch der
Aquarienfisch-Zucht“, Kernen Verlag, 1983
2.) Stallknecht, „Man nennt sie Salmler“,
Tetra-Verlag, GFA-Verzeichnis Nr. 105
3.) Stallknecht, „Barben und Bärblinge“,
Tetra-Verlag, GFA-Verzeichnis Nr. 106
4.) I. Scheuermann, „Aquarienfische züchten“,
GU-Verlag, GFA-Verzeichnis Nr. 123
|
Spezies |
T [°C] |
Leitfähigkeit
[µS/cm] |
Dauer bis
Ablaichen
[Tage] |
Anzahl Tiere
im Ansatz
(Beispiel) |
Zeit bis
Schlupf
/
Freischwimmen [Tage] |
Erstes Futter |
Bemerkungen |
|
Sumatrabarbe
Barbus tetrazona |
27-28 |
50-200 |
1 |
2 Paare in 70 l |
1 / 5-6 |
1-2 Tage
Infusorien
dann Artemia |
Geschlechter
vorher trennen,, weil auch bei hartem Wasser abgelaicht wird,
Treiben beginnt sofort nach dem Zusammensetzen |
|
Brokatbarbe
Barbus
semifasciolatus |
24-25 |
200-300 |
1-3 |
2 Männchen + 4
Weibchen in 40 l |
1 / 5-6 |
2-3 Tage
Infusorien
dann Artemia |
Geschlechter
vorher trennen,, weil auch bei hartem Wasser abgelaicht wird,
Treiben beginnt sofort nach dem Zusammensetzen, produktiv |
|
Keilfleckbarbe
Rasbora
heteromorpha |
27-28 |
50-200 |
1-3 |
mehrere Paare in
40 l |
1/5-6 |
2-3 Tage
Infusorien,
dann Artemia |
zum Ablaichen
großblätterige Plastikpflanzen einbringen, Eier fallen aber zumeist
komplett zu Boden |
|
Brilliantsalmler
Moenkhausia
pittieri |
25-26- |
300-600 |
1-3 |
mehrere Paare in
70 l |
4-5/ 6-8 |
2-3 Tage
Infusorien,
dann Artemia |
Geschlechter
vorher trennen,, weil auch bei hartem Wasser abgelaicht wird,
Treiben beginnt sofort nach dem Zusammensetzen |
|
Rotaugen-Moenkhausia
Moenkhausia sanctae-filomonae |
25 |
200 |
2-3 |
4 Männchen, 3
Weibchen in 70 l |
1/ 4 |
Infusorien und
ab dem 1. Tag Artemia |
sehr produktiv
|
|
Blauroter
Kolumbianer
Hyphessobrycon
ecuadoriensis |
27-28 |
100 ging am
besten |
1-4 |
mehrere Paare in
70 l |
1 /5-6 |
2-3 Tage
Infusorien,
dann Artemia |
sehr produktiv |
|
Kongosalmler
Phenacogrammus
interruptus |
24-25 |
50-300 |
2-8 |
2 Männchen, 6
Weibchen in 70 l |
6-8 / 7-9 |
Artemia |
Geschlechter
vorher trennen, weil auch bei hartem Wasser abgelaicht wird
Laichen an bis
zu 3 Tagen hintereinander, Jungfische sind dann unterschiedlich groß
Eltern besonders
schreckhaft |
|
Spezies |
T [°C] |
LF [µS/cm] |
Dauer bis
Ablaichen
[Tage] |
Anzahl Tiere
im Ansatz
(Beispiel) |
Zeit bis
Schlupf
/
Freischwimmen
[Tage] |
Erstes Futter |
Bemerkungen |
|
Kaiser-Tetra
Nematobrycon
palmeri |
27-28 |
100-200 |
1-4 |
2 Männchen
4 Weibchen in 40
l |
1/5-6 |
2-3 Tage
Infusorien,
dann Artemia |
Geschlechter
vorher trennen,, weil auch bei hartem Wasser abgelaicht wird,
vielfach empfohlener Daueransatz hat nicht geklappt, Junge wurden
dabei fast alle gefressen |
|
Rosensalmler
Hyphessobrycon
bentosi rosaceus |
27-28 |
50-100 |
3-4 |
1 Paar in 40 l
|
1 / 5-6 |
2-3 Tage
Infusorien
dann Artemia |
zusätzliche
Abdunkelung, freischwimmende Jungfische am besten bei Nacht zu
erkennen (Taschenlampe)
|
|
Schwarzer Neon
Hyphessobrycon
herbertaxelrodi |
27-28 |
50-100 |
1-6 |
10-15 Tiere
in 40 l |
1 / 5-6 |
2-3 Tage
Infusorien
dann Artemia |
zusätzliche
Abdunkelung, freischwimmende Jungfische am besten bei Nacht zu
erkennen (Taschenlampe)
|
|
Glühlichtsalmler
Hemigrammus
erythrozonus |
27-28 |
50-100 |
1-3 |
mehrere Paare in
40 l |
1/ 4-5 |
Infusorien und
ab dem 1. Tag Artemia! |
gute
Produktivität erst im 2. Jahr
zusätzliche
Abdunkelung, freischwimmende Jungfische am besten bei Nacht zu
erkennen
(Taschenlampe) |
|
Kupfersalmler
Hasemania nana |
25-27 |
200 |
1-2 |
5 Männchen + 5
Weibchen im kleinen Korb |
1/5 |
3-4 Tage
Infusorien,
dann Artemia |
Geschlechter
vorher trennen,, weil auch bei hartem Wasser abgelaicht wird,
zusätzliche Abdunkelung, freischwimmende Jungfische am besten bei
Nacht zu erkennen
(Taschenlampe) |
|
Neon-Tetra
Paracheirodon
innesi |
25 |
100 |
1-2 |
5 Paare im
kleinen Korb |
1/5 |
2-3 Tage
Infusorien, dann Artemia |
Haltung bei 22
°C empfohlen, zusätzliche Abdunkelung, freischwimmende Jungfische am
besten bei Nacht zu erkennen
(Taschenlampe |
|
Roter Neon
Paracheirodon
axelrodi |
27-28 |
< 50 |
1-7 |
10-15 Tiere
in 40 l |
1 / 5-6 |
8-10 Tage
Infusorien
dann Artemia |
zusätzliche
Abdunkelung
freischwimmende
Jungfische 14 Tage lang nur bei Nacht und in kleiner Zahl zu
erkennen, (Taschenlampe), besonders lichtscheu,
bisher besonders
schwierig |
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