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Wasserflöhe aus eigener Zucht - ein hochwertiges Lebendfutter
Wasserflöhe gehören zu den Krebstieren (Crustaceen),von denen auf der Erde rund
35.000 Arten bekannt sind.
Sie
vermehren sich unter günstigen Umweltbedingungen durch die sog. Parthogenese (Junfernzeugung).
Dabei gebären die Weibchen ohne Befruchtung durch männliche Geschlechtspartner
wiederum weibliche Tiere. Männliche Exemplare werden erst produziert, wenn
veränderte Umweltbedingungen den Winter oder das Austrocknen des Gewässers
ankündigen. Zur Arterhaltung legen die Weibchen dann von Männchen befruchtete
Dauereier ab, aus denen im Frühjahr oder nach Ansteigen des Wasserstandes wieder
Weibchen schlüpfen.
Wasserflöhe ernähren sich von freischwebenden pflanzlichen und tierischen
Kleinlebewesen (Zooplankton und Phytoplankton), die sie mit Hilfe ihrer
Filterkämme an den Gliedmaßen zum Mund strudeln. In der älteren Literaur wird
geschildert, daß Aquarianer, die inZeiten fehlender künstlicher Beleuchtung auf
Tageslicht angewiesen waren, Wasserflöhe zur Bekämpfung der vor allem im Sommer
auftretenden Wasserblüte einzusetzen wußten.
Seit
langer Zeit gelten Wasserflöhe als hervorragende Bereicherung des Speiseplans
der Aquarienfische. Dies bedeutet natürlich, daß sie nicht als Alleinfutter,
sondern abwechselnd mit anderen Futterarten verwendet werden. Wasserflöhe
verfügen über eine ballaststoffreiche Körperhülle, haben ihr Verdauungssystem
stets gut mit Algen und Infusorien gefüllt und stellen dem Fisch je nach
Herkunft rote Farbstoffe in gut aufnehmbarer Form zur Verfügung.
Die
Lebendverfütterung von Wasserflöhen aus Tümpeln wird heute nicht mehr empfohlen,
da die Tiere als Zwischenwirte für Fischparasiten dienen können, wenn sie in
fischhaltigen Gewässern gefangen werden. Andererseits verwenden Aquarianer der
GFA Wasserflöhe aus einer bekannten Quelle seit Jahren in lebender und
tiefgefrorener Form mit großem Erfolg. Dies macht deutlich, daß dieses
Futtertier für den Aquarianer immer dann von großem Wert ist, wenn seine
Herkunft eindeutig nachzuweisen ist.
Vor diesem
Hintergrund ist für den Liebhaber die Eigenkultur von Wasserflöhen interessant.
Voraussetzung ist ein Platz auf einer Fensterbank, damit genügend Licht zur
Verfügung steht und die oben angesprochenen Einzeller als Nahrung der
Wasserflöhe sich gut entwicklen können. Um genügend Einzeller zur Verfügung zu
stellen, wird mit Hefe, Blutresten von Schweine- oder Rindfleisch, Trockenfutter
oder auch Milch zugefüttert. Eine Belüftung des Behälters ist nicht
erforderlich, wenn bei der Hälterung etwas Fingerspitzengefühl gezeigt wird.
Für eine
erfolgreiche Kultur sind einige Grundregeln zu beachten, die natürlich für den
Aquarianer selbstverständlich sind:
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Vermeiden einer Überfütterung
-
mindetens 14 tägiger Wasserwechsel von rund 30 %, dabei Wasser gleicher
Temperatur verwenden (in der Regel Zimmertemperatur)
Zur
Entnahme von Futtertieren wird mit einem Schlauch ein Teil des Wassers durch
eines oder mehrere Siebe gezogen. Mit der Maschenweite der Siebe läßt sich der
Größe der Tiere auswählen. Diese Aktion läßt sich am besten gleich mit einem
Wasserwechsel verbinden.
Bei mir
werden Wasserflöhe seit mittlerweile einem Jahr mit Erfolg in zwei Glasbehältern
zu je 20 Liter Inhalt gehalten, die auf einer Fensterbank Platz finden. Futter
wird im Wechsel entnommen. Der Ertrag genügt immerhin, um ein gut besetztes
Gesellschaftbecken von 200 l ein bis zweimal pro Woche mit einer Tagesmahlzeit
zu versorgen. Eine Ertragssteigerung läßt sich durch die Verwendung größerer
Behälter erreichen. Die Ausbeute geht im Winter zurück, wenn die
Lichtverhältnisse und die leicht fallende Zimmertemperatur eine starke
Vermehrung der Tiere nicht mehr zulassen. In letzter Zeit kultiviere ich
Wasserflöhe auch in einer großen Regentonne im Garten, bislang ebenfalls mit
gutem Erfolg.
Für die
Pflege der Kultur und die Verfütterung der Wasserflöhe wird etwa 10 min Arbeit
pro Woche investiert.
Ich muß
betonen, daß diese Form der Beschaffung „sauberen“ Lebendfutters reine
Liebhaberei zur Ergänzung des Futterplans ist. Wenn jemand in größerem Stil
Aquaristik betreibt, ist allein der Platzbedarf für die Bereitstellung einer
genügend großen Masse an Futtertieren recht hoch.
Abgesehen
von ihrem Nutzen als Futtertier machten die Wasserflöhe bisher große Freude als
Studienobjekt für den Laienzoologen. Hier einige meiner Beobachtungen:
* Unter
dem Mikroskop sind deutlich viele Details des überaschend komplex aufgebauten
Organismus zu erkennen, z.B. der Herzschlag der Tiere sowie Eier und ungeborene
Junge im Brutraum der Weibchen.
* Meine
Wasserflohkultur ist nicht empfindlich gegenüber einem konstant geringen
Sauerstoffgehalt, daher scheint eine Belüftung in einer mäßig besetzten Kultur
nicht erforderlich.
* Tödlich
wirkte aber für viele Tiere eine plötzliche Veränderung der Umweltbedingungen:
Umsetzen
in anderes Wasser mit Temperaturwechsel oder Futtermangel, (daher Vorsicht beim
Wasserwechsel!) und natürlich auch plötzlicher Sauerstoffschwund durch starke
Überfütterung.
* Jede
Generation fand etwas andere Umweltbedingungen vor (Temperatur, Licht, Futter,
Populationsdichte) und zeigte dementsprechend eine andere Körperform,
Körpergröße und Körperfarbe.
* Die
Verfütterung von Babykarotten führte nicht zu einer erkennbaren Zunahme der
roten Farbe der Tiere.
* Tiere
mit roter Körperfarbe entstehen vielmehr immer dann, wenn die Population rasch
wächst, also offenbar günstige Umweltbedingungen (s.o.) herrschen.
* Ab
Oktober legten die Weibchen große Mengen braunschwarzer Dauereier ab, die Zahl
der durch Parthogenese geborenen Jungtiere nahm ab
* Von
Dezember bis Februar stagnierte die Population, es konnten ohne künstliche
Beleuchtung nur wenige Futtertiere entnommen werden
Interessenten stehe ich gerne mit Anregungen und näheren Informationen zur
Verfügung.
Literatur
Ursula
Friederich, Werner Volland; „Futtertierzucht“, Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart,
2. Auflage
1992
Christoph
Pasel
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