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Passen sich unsere Aquarienfische tatsächlich der Beckengröße an?

Immer wieder wird diese Frage kontrovers diskutiert, ohne dass es eine einheitliche Antwort gefunden wurde.

Die gibt es auch nicht !!!!!!!!

Man muss sich bei der Betrachtung des Problems vielmehr die genetischen Voraussetzungen der zu beurteilenden Fische
vergegenwärtigen und einige ethologische Aspekte beachten.

Gutgenährte Schwarmfische wie Neon-, Kongo-, oder Rotkopfsalmler werden im Aquarium größer als in der Natur.
Ihnen fehlt es nie an Nahrung, der Stressfaktor "Fressfeind" entfällt und hält man ausreichend große Schwärme,
so können unsere Pfleglinge bei gutem Wasserwechsel wesentlich länger leben als in ihren Heimatgewässern.
Gleiches gilt für viele andere Fischgruppen.

Warum beobachten wir bei einigen Cichlidenarten aber eine gegensätzliche Erscheinung??
Die Tiere bleiben zum Teil kleiner als in der Literatur angegeben, trotz ausreichender und abwechslungsreicher Nahrung,
regelmäßigen Wasserwechsel und der Beachtung aller bekannten Regeln der Aquaristik.
Auch für die Cichliden gilt der Satz, dass ein Fisch Zeit seines Lebens weiterwächst.
Leider aber wird durch die künstliche Umwelt Aquarium der natürliche Stressfaktor und damit der Hormonhaushalt
erheblich verändert. Insbesondere die ostafrikanischen Cichliden sind ganzjährig balzaktiv und in der Regel muss ein
geschlechtsreifes Männchen ein Revier besetzen und dieses verteidigen. Nichtdominate Männchen meiden dieses Gebiet
oder zeigen sich in einer neutralen Färbung. Diese Tiere umgehen also den Stressfaktor " Balz" bis sie eine Größe erreicht haben,
die es ihnen ermöglicht selbst ein Revier zu besetzen. In dieser Zeit werden die Wachstumshormone ungehindert aktiv
und ermöglichen ein normales Heranwachsen.
Im Aquarium sieht die Situation anders aus. Meist setzt sich ein noch junges Tier in der Gruppe als dominant durch, sofern
nicht bereits ältere Tiere vorhanden sind. Nun beginnt für alle, auch für das dominante Tier der Stress.
Es muss ständig seinen Revieranspruch bekräftigen, auch gegen zum Teil Artfremde, da diese Fische nicht weiträumig ausweichen
können. Außerdem befinden sich immer Weibchen in unmittelbarer Nähe, die angebalzt werden müssen.
Auch diese Weibchen können vor diesen Revierbesitzern nicht entkommen, was je nach Konstitution sogar zum Tode der Getriebenen führen kann.
Folglich befinden sich alle Tiere in einer Stresssituation, der sie nicht entfliehen können, wie es im Heimatbiotop möglich wäre, indem sie das Revier des Dominanten umgehen.
Der Revierinhaber muss seiner genetisch hormonell vorprogrammierten Verhaltensweise folgen und die in seinem direkten Umfeld immer vorhandenen Weibchen anbalzen und treiben, gleichzeitig die anderen Männchen verjagen,
die aber selber wiederum nicht ausweichen können und somit in einer andauernden Fluchtsituation leben.
In dieser Zeit produziert der Körper Stresshormone, die denen für das Wachstum entgegenarbeiten.
Es findet folglich ein gebremstes Wachstum statt, weil Stresshormone überwiegen.
Man kann beobachten, dass dieser Prozess auch umkehrbar ist.
Hat sich erst einmal ein Tier als unumschränkter Herrscher des Beckens herausgestellt und seine regelmäßige ungestörte Balz gesichert, so werden gerade diese Tiere sehr alt und wachsen zu einer stattlichen Größe heran, wobei sie die Wachstumshemmung aus ihrer „Sturm-und Drangzeit“ durch ihr längeres Leben im Aquarium ausgleichen.
Das Weibchen trotzdem meist relativ klein bleiben mag daran liegen, dass sie schon jung zum Laichen „ gezwungen“ werden und dafür viel Energie aufbringen müssen.

Natürlich spielen auch andere Faktoren wie Ernährung, Hygiene und Wasserwerte eine große Rolle, aber bei Berücksichtigung des Stressfaktors können bessere Wachstumsergebnisse erzielt werden.
Hierzu wäre notwendig die Tiere nicht zu jung zur Zucht anzusetzten, sondern ihnen die nötige Zeit des Heranwachsens zu lassen. Auch ein Trennen der juvenilen Fische nach Größe und Geschlecht Kann Erfolge bringen. Häufig zeigen dann die jungen Männchen nahezu zeitgleich ihre Farben, ohne das eines zu dominant wird und den Weibchen bleibt mehr Zeit ihre Gonaden zu entwickeln, was zu größeren Würfen führt.
Im Schauaquarium sollten immer ausreichend Rückzugsmöglichkeiten durch eine sinnvolle Einrichtung gegeben sein, damit Erholungsphasen für gestresste Tiere möglich sind.
Setzt man mehrere unterschiedliche Arten in einem Gesellschafts- oder Biotopaquarium ein, so sollte man darauf achten, dass diese Fischarten von Natur aus so unterschiedliche Lebensbedürfnisse haben, dass sie sich nicht untereinander in ständigen Sozialisationsstress bringen. Ein solch harmonisches Vergesellschaften ist bei Vorbedacht der natürlichen Bedürfnisse durchaus möglich.
Festzuhalten ist aber die Schlussfolgerung, dass sich Fische nicht aktiv an die jeweilige Beckengröße anpassen, sondern sie reagieren stressbedingt darauf, ihre natürlichen Verhaltensweisen nicht oder nicht im vollen Umfang ausleben zu können.
Folglich liegt es in der Verantwortung des Aquarianers diese Stressfaktoren durch artgerechte Haltung so gering wie möglich zu halten.

Andreas Eichler

 

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