Man lernt nie aus
Es hat sich in den letzten Jahren unter Zierfischfreunden herumgesprochen, dass es bei vorhandenen oder vermuteten Fischkrankheiten kostenlosen Rat von der GFA gibt.
Selbst der Aqua-Zoo in Düsseldorf verweist ratsuchende Aquarianer mit schöner Regelmäßigkeit an die Gesellschaft für Aquarienkunde e.V.
So ist es nicht ungewöhnlich, dass mitunter bei mir oder beim Vereinsfreund M. Chinnow das Telefon 3 bis 4 mal in der Woche in dieser Sache klingelt.
In der Regel ist den Ratsuchenden bei genauer Schilderung des Krankheitsbildes relativ problemlos zu helfen. Meist reichen nur kurze Hinweise über sachgerechte Aquarienpflege oder das Empfehlen eines gängigen Medikaments und der Schaden ist behoben.
Mitunter kann man jedoch recht seltsame, erstaunliche Geschichten erleben, die es verdienen, einem breiten Publikum vorgestellt zu werden. Solch eine kleine Geschichte ereignete sich in der letzten Woche.
Ein Aquarianer aus Duisburg meldete sich bei mir zur Untersuchung und Behandlung eines erkrankten Kaiserbuntbarsches. Nachdem ich den doch recht aufgelöst klingenden Anrufer etwas beruhigt hatte, bat ich ihn, mir das Krankheitsbild seines “teuren” Kaisers plastisch, möglichst genau zu schildern. Ziel war eine, wenn möglich, Ferndiagnose zu stellen und nach bewährtem Muster ein wirksames Medikament zu empfehlen.
Zur Sache, besagter Buntbarschfreund hatte schon vor Monaten auf einer GFA Börse in Duisburg-Hamborn sowie auf der letzten Versteigerung in Oberhausen Fische erworben, die sich zu seiner vollsten Zufriedenheit prächtig entwickelten.
Ja bis, ohne Quarantäne, zwei neue Buntbarsche hinzugesetzt wurden. Schon nach wenigen Tagen beobachtete unser aufmerksamer Buntbarschfreund dramatische Veränderungen. Die Fische wurden ruhiger, sonderten sich ab, fraßen nicht mehr. Bei einigen Tieren sonderte sich weißer fädriger Kot ab. Die Atmung war beschleunigt, der Fischleib schwoll an.
Die ersten Fische starben wenige Tage später. Was liegt da näher, als einen ausgewiesenen Fachmarkt im größten Zoogeschäft der Welt (Name der Redaktion bekannt) um Rat und Hilfe zu fragen. Dieser wurde unserem besorgten Aquarianer auch umgehend zu Teil. Nach Schilderung unseres Ratsuchenden wurde das mitgebrachte Aquarienwasser der erkrankten Fische fachmännisch begutachtet und untersucht. Dann nach bangem Warten stand die Diagnose und folge-richtige Therapie fest.
Die Buntbarsche unseres Freundes waren nach Meinung des “Fachmannes” an einer zu hohen Phosphatbelastung (Phosphorsäuresalz) erkrankt. Die einzig richtige Behandlung konnte da nur in einer Beseitigung dieser gefährlichen Wasserbelastung bestehen. Es versteht sich von selbst, dem Manne wurde mit einem Gegenmittel “preisgünstig” versteht sich geholfen. Leider den Kaisern nicht. Sie starben trotz der fachmännischen Beratung und Behandlung. Und da beginnt unsere Geschichte mit dem Anruf eines aufgelösten, verzweifelten Aquarianers bei mir dem “Mann von der GFA” (Zitat). Aber so frage ich ratlos, was soll man da raten und empfehlen angesichts solch massiver, geballter Fachkompetens?
Da bleibt nur demütiges, erfürchtiges Staunen. Bestenfalls der gute Rat demnächst früher anzurufen bevor die Phosphatbelastung fachmännisch festgestellt wird.
Udo Buschhoff
